Auswirkungen

Wie laut dürfen Windenergieanlagen sein?

Abhängig von der Windstärke erzeugen die durch die Luft mit hoher Geschwindigkeit kreisenden Rotorblätter einer Windenergieanlage ein Betriebsgeräusch, das am ehesten an ein Rauschen erinnert. Jegliche Geräusche, Schall und Lärm, die von Windenergieanlagen ausgehen, müssen gesetzlich beurteilt werden. Grundlage dafür ist die „Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm“ (TA Lärm).

Es liegen dann keine schädlichen Wirkungen für die Nachbarschaft vor, wenn die von unabhängigen Gutachtern berechneten Lärmschutzwerte, die in der TA Lärm genannten Grenzwerte nicht überschreiten. Je nachdem, um welche Art von Gebiet es sich handelt – Gewerbegebiet, Mischgebiet, allgemeines Wohngebiet oder reines Wohngebiet – gelten unterschiedliche Richtwerte.

Grenzwerte nach TA Lärm:

Gebietsnutzung Immissionsrichtwert

tags in [dB(A)]

Immissionsrichtwert

nachts in [dB(A)]

Gewerbegebiet 65 50
Mischgebiet 60 45
Allgemeines Wohngebiet 50 40
Reines Wohngebiet 50 35

Damit ein Windpark genehmigt wird, muss er diese Grenzwerte – auch die strengeren Nacht-Werte – erfüllen. Um dies zu überprüfen, muss der Investor ein Schall-Gutachten, die sogenannte Schallimmissionsprognose, von einem unabhängigen Gutachter erstellen lassen. Bei Windparks müssen alle Windenergieanlagen zur Beurteilung mit einbezogen werden. Bei den Berechnungen wird stets die maximale Belastung angesetzt, das heißt alle Windenergieanlagen laufen mit voller Auslastung.

Bei den Berechnungen wird außerdem davon ausgegangen, dass der Wind aus allen Richtungen gleichzeitig kommt und der Schall so weitergetragen wird. Auch wird angenommen, dass keinerlei Nebengeräusche existieren, sondern ausschließlich der Windpark zu hören ist. Topographische Gegebenheiten wie Täler und Berge, Schallreflektionen durch Gebäude und harte Fels- oder Gebirgskanten werden in der Schall-Berechnung mit berücksichtigt. Auch werden die ungünstigsten Schallausbreitungsbedingungen angenommen. Das sind meist 70 % Luftfeuchte und eine Temperatur von unter 10 °C.

Unter all diesen Annahmen dürfen die gesetzlich festgelegten Grenzwerte von 35 bis 65 Dezibel nicht überschritten werden. Übersetzt man diese Grenzwerte in Abstände von Windenergieanlagen erhält man folgendes Bild:

sas

Übersicht: Lautstärke verschiedener Ereignisse (in dB):

dB versch ereignisse

Haben die gesetzlichen Lärmgrenzwerte Einfluss auf den Abstand zu Wohngebäuden?

Ja. Um die jeweiligen Grenzwerte bei heutigen Schwachwindanlagen einhalten zu können, müssen bewohnte Gebäude ungefähr folgende Mindestabstände zu Windenergieanlagen einhalten. Die genauen Abstände hängen zusätzlich von der Topographie, der Anzahl der Windenergieanlagen, des Anlagentyps und deren genauer Positionierung ab.

Grenzwert in db(A) Abstand zu Wohngebäuden
50 db(A) Ca. 250 – 400 m
45 db(A) Ca. 400 – 650 m
40 db(A) Ca. 800 – 1.000 m
35 db(A) Ca. 1.200 – 1.600 m

Was ist mit dem Schatten der Windenergieanlagen? Ist dieser auch gesetzlich geregelt?

Bei klarem Himmel und gleichzeitigem Wind wird durch die Windenergieanlagen durch den sich bewegenden Rotor ein bewegter Schattenwurf erzeugt. Dies führt zum sogenannten Schlagschatten. Der Schattenwurf wird bereits im Genehmigungsverfahren berücksichtigt. Anlagenbetreiber müssen dazu Gutachten mit einer Schattenwurfprognose vorlegen.

SCHATTENWURF

Gesetzlich ist der Schattenwurf, der auf ein Wohngebäude fallen darf klar begrenzt und von der Bund-/Ländergemeinschaft für Immissionsschutz in den WEA-Schattenwurf-Hinweisen vom 13.03.2002 festgelegt worden: demgemäß darf im Verlauf eines Tages dieser Schlagschatten (d.h. wenn die Sonne scheint und der Wind weht) nicht mehr als 30 Minuten auf ein Wohngebäude fallen. Über das gesamte Jahr hinweg darf dieser Schlagschatten nicht mehr als 30 Stunden stattfinden. Bei den genannten Werten handelt es sich um theoretische Größen, die sich unter der Annahme ergeben, dass jahraus, jahrein der Wind weht, die Anlage in Betrieb ist, und die Sonne von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang scheint. Weil diese Bedingungen nicht 24 Stunden am Tag herrschen, ist die tatsächliche Belastung an einem Wohngebäude, wo laut theoretischem Gutachten 30 Stunden pro Jahr Schattenwurf auftreten könnten, bei lediglich 7 – 8 Stunden pro Jahr vorhanden. Wird im Schattenwurf-Gutachten die theoretisch prognostizierte Stundenanzahl überschritten, muss die Anlage abgestellt werden. Wie oben beschrieben ist hierfür nicht die tatsächliche Belastung ausschlaggebend, sondern die theoretisch berechnete Belastung.

Ein Video des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit zeigt qualitativ auf wie der Schattenwurf einer Windenergieanlage entsteht und zu berechnen ist. http://www.energieatlas.bayern.de/media/energie/oeib_schatten.mp4

Weitere ausführliche Informationen zum Schattenwurf können auch in diesem Dokument des Bayerischen Landesamts für Umwelt nachgelesen werden.

Blinken Windenergieanlagen nachts?

Die Genehmigungsbehörde legt fest, ob die Windenergieanlagen blinken müssen oder nicht. Dies hängt mit der Flugsicherheit zusammen, weil Flugzeuge die Windenergieanlagen in der Nacht erkennen müssen, um Kollisionen zu vermeiden. Bei den heutigen Windenergieanlagen werden diese rotblinkenden Lichter von der Genehmigungsbehörde vorgeschrieben. Es sind derzeit aber technische Alternativen in der Entwicklung und zum Teil schon im Einsatz. Weitere Informationen zum sogenannten Passiv-Radar-System finden Sie hier.

Werden von Windenergieanlagen bestimmte Stoffe oder Strahlen, die die Gesundheit von Mensch und Tier beeinträchtigen könnten, abgegeben?

Nein. Die einzigen der Wissenschaft derzeit bekannten Emissionen von Windenergieanlagen im Betrieb sind Schallwellen und Schattenwurf. Eine Windenergieanlage erzeugt ansonsten keine weiteren Emissionen, da sie keinerlei wasser- oder gesundheitsgefährdende Stoffe verarbeitet oder produziert. Auch produziert sie keine Strahlenbelastungen oder Sonstiges.

Welchen Einfluss haben Windenergieanlagen auf den Wert von Immobilien?

Viele Bürgerinnen und Bürgern, die in der Nähe geplanter Windparks leben, befürchten einen Wertverlust ihrer Immobilien durch den Bau der Windräder.

Die Bewertung von Immobilienpreisen hängt von einer Vielzahl an unterschiedlichen Faktoren ab. Neben dem energetischen Standard, der Ausstattung und dem Bodenrichtwert spielt vor allem die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel, Einkaufsmöglichkeiten und die Nachbarschaft die entscheidende Rolle. Diese komplexe Gemengelage wird es nicht zulassen, zuverlässig und wissenschaftlich nachvollziehbar eine Aussage zu treffen, inwieweit Immobilienpreise an einem bestimmten Standort tatsächlich durch den Bau von Windenergieanlagen beeinträchtigt werden.

Es gibt einige wenige lokale Auswertungenund Untersuchungen dazu:

Der Fachbereich Geoinformation und Bodenordnung der Stadt Aachen hatte in 2011 eine langfristig angelegte Analyse der Immobilienwerte durch naheliegende Windenergieanlagen und Windparks intensiv untersucht und kommt zu dem Ergebnis, dass „…für die zu den Windkraftanlagen nächstgelegenen Wohngebiete keine entgegen dem Durchschnitt negativen Entwicklungen erkennbar sind…“. Eine weitere Untersuchung des Gutachterausschusses des Kreises Steinfurt kam zu einem ähnlichen Ergebnis: „In beiden Auswertungen ergab die Einzelbetrachtung des Marktsegments unterhalb des normalen Marktes keinen Rückschluss auf den Einflussfaktor WEA. Die Nähe zur WEA war auf den jeweiligen Kaufpreis nicht verifizierbar.“

Auch der Gutachterausschuss für Grundstückswerte Aurich kommt in seinem Grundstücksmarktbericht 2015 zum Ergebnis, dass im untersuchten Landkreis und Zeitraum (Jahr 2015) die Kaufpreise von Häusern in direkter Nachbarschaft zu Windenergieanlagen nicht gesunken sind und kein direkter Zusammenhang zwischen Immobilienwert und Windenergieanlage hergestellt werden kann.

Prof. Dr. Günter Vorholz, Professor für Immobilienökonomie an der EBZ Business School Bochum bestätigt diese Aussagen in einem Vortrag für das Ministerium für Energie, Mecklenburg-Vorpommern. Der Vortrag wurde aufgezeichnet und das Video, sowie die Folien können unter diesem Link eingesehen werden.

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In unserer Rubrik „Klartext“ wollen wir möglichst umfangreich die unterschiedlichen Aspekte des Windparks Elztal beleuchten. Das versuchen wir über häufig gestellte Fragen und die passenden Antworten zu lösen.

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